
Sie sind leicht zu installieren und senken die Stromrechnung spürbar. Was in Deutschland längst ein Trend ist, schwappt nun auch nach Spanien über: Steckbare Solarmodule für den Balkon.
In Deutschland sind bereits rund 1,5 Millionen Balkonkraftwerke installiert – so beliebt, dass sich dafür ein eigenes Wort etabliert hat. Hersteller versprechen, dass schon zwei Module mit je 300 Watt bis zu 30 % Ersparnis auf der Stromrechnung bringen können. Mit Anschaffungskosten zwischen 400 und 800 Euro und ohne Installationskosten haben sich die Geräte nach spätestens sechs Jahren amortisiert.

In Spanien, wo zwei Drittel der Bevölkerung in Wohnungen leben und Solaranlagen auf dem Dach die Zustimmung der Mehrheit aller Eigentümer brauchen, ist diese Do-it-yourself-Technologie besonders praktisch. Für Anlagen bis 800 Watt ist weder eine Baugenehmigung noch ein teures Zertifikat nötig.
„Der Vorteil der Balkonmodule ist, dass sie flexibel, günstig und sofort einsatzbereit sind. Sie werden einfach über einen Wechselrichter in die Steckdose eingesteckt“, erklärt Santiago Vernetta, Geschäftsführer von Tornasol Energy. Da die Preise für Solarmodule sinken, seien heute oft die Arbeitskosten höher als die Materialkosten.
Wie alle Photovoltaikanlagen liefern Balkonkraftwerke nur tagsüber Strom. Ein Batteriespeicher für den Eigenverbrauch in den Abendstunden kostet mindestens 1.000 Euro zusätzlich.
Wachsende Bedeutung für die Energiewende
Die spanische Stiftung Fundación Renovables sieht darin einen wichtigen Baustein für die Energiewende in Städten. „Balkonstrom ist ein weiteres Puzzleteil. Er trägt dazu bei, Gebäude selbst zur Stromquelle zu machen“, sagt Direktorin Raquel Paule. Sie betont, dass Städte sich unabhängiger machen müssen: Noch immer stammen rund 97 % ihres Stroms aus externen Quellen.
Michael Schmela, Marktforscher bei SolarPower Europe, ergänzt: „Das Besondere am Balkonstrom ist seine Vielseitigkeit. Er ist ein nächster Schritt hin zu mehr Dezentralität. Die Technik ist da – jetzt müssen Architekten und Vorschriften nachziehen.“

Deutschland als Vorreiter
In Deutschland bekam der Trend zusätzlichen Schub durch steigende Strompreise nach dem russischen Angriff auf die Ukraine sowie durch ein Gerichtsurteil, wonach Nachbarn den Einbau nicht verhindern dürfen. Auch wenn Balkonkraftwerke nur einen kleinen Anteil am gesamten Photovoltaik-Ausbau haben, bleibt Deutschland europaweit Spitzenreiter. Bis 2030 will die Bundesrepublik 80 % ihres Stroms aus erneuerbaren Energien beziehen. Zum Vergleich: Das EU-Ziel liegt bei 42 %.
Nach Deutschland folgen Spanien, Italien und Polen als größte Solarmärkte. Auch in Frankreich nimmt Balkonstrom Fahrt auf. Belgien hingegen hatte die Geräte zunächst verboten, will das Verbot nun aber aufheben.
Schmela fasst zusammen: „Solarenergie ist seit Jahren die am schnellsten wachsende und günstigste Energieform. Nun brauchen wir mehr Batteriespeicher und eine bessere Verzahnung mit Wind- und anderen erneuerbaren Energien.“
Vernetta ist überzeugt: „Wenn 1,5 Millionen Deutsche Balkonkraftwerke gekauft haben, steckt da mehr drin als nur ein Trend.“



